Automobilzulieferer in der Krise: Weitere Großinsolvenzen erwartet
Die Transformation zur E-Mobilität fordert ihren Tribut. Analyse und Ausblick.
Die deutsche Automobilzuliefererindustrie durchlebt die schwerste Krise ihrer Geschichte. Nach mehreren prominenten Insolvenzen im Jahr 2025 warnen Branchenexperten vor einer weiteren Welle im kommenden Jahr.
Aktuelle Situation
Die Transformation zur Elektromobilität stellt die gesamte Wertschöpfungskette vor existenzielle Herausforderungen. Komponenten für Verbrennungsmotoren – Einspritzsysteme, Abgastechnik, Getriebe – werden in wenigen Jahren nicht mehr benötigt. Gleichzeitig fehlt vielen Zulieferern das Know-how und Kapital für den Umbau auf E-Mobilität.
Die strukturellen Ursachen
**Technologiewandel:** Die E-Mobilität benötigt weniger Komponenten und andere Kompetenzen. Ein E-Auto hat etwa 200 bewegliche Teile gegenüber 1.400 beim Verbrenner.
**Überkapazitäten:** Die europäischen Automobilhersteller bauen Kapazitäten ab, während chinesische Hersteller Marktanteile gewinnen.
**Preisdruck:** Die OEMs geben den Kostendruck an Zulieferer weiter. Viele arbeiten bereits mit negativen Margen.
**Finanzierungsklemme:** Die Banken sind zurückhaltend bei der Finanzierung von Transformationsprojekten. Die Zinswende verschärft die Situation.
Betroffene Unternehmen und Regionen
Besonders hart trifft es traditionelle Zuliefererregionen wie Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen. Tausende Arbeitsplätze sind gefährdet. Die Insolvenzen reißen Lücken in Lieferketten und gefährden auch gesunde Unternehmen.
Handlungsoptionen
Zulieferer sollten ihre strategische Position kritisch prüfen. Gibt es einen tragfähigen Weg in die E-Mobilität? Können Kompetenzen auf andere Branchen übertragen werden? Ist eine Konsolidierung mit Wettbewerbern sinnvoll?
Eine frühzeitige Krisenintervention ist entscheidend. Wer rechtzeitig handelt, kann noch zwischen verschiedenen Sanierungsoptionen wählen.
Thomas Werner
Partner, Fachanwalt für Insolvenzrecht
Verfasst am 18. Dezember 2025