Digitalisierung im Insolvenzverfahren: Chancen und Herausforderungen
Wie die Digitalisierung das Insolvenzrecht verändert.
Die Digitalisierung macht auch vor dem Insolvenzrecht nicht halt. Von elektronischen Gläubigerversammlungen bis zu KI-gestützter Forderungsprüfung – die Veränderungen sind tiefgreifend.
Elektronische Gläubigerversammlung
Seit der Reform durch das SanInsFoG können Gläubigerversammlungen auch digital durchgeführt werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: geringere Reisekosten, höhere Teilnahmequoten, effizientere Durchführung. In der Praxis hat sich das Format bewährt und wird zunehmend genutzt.
Digitale Aktenführung
Die elektronische Aktenführung wird zum Standard. Die Vorteile: ortsunabhängiger Zugriff, bessere Durchsuchbarkeit, einfachere Kollaboration. Herausforderungen bleiben: Datenschutz, Langzeitarchivierung, einheitliche Standards.
KI in der Masseverwaltung
Erste Insolvenzverwalter setzen künstliche Intelligenz ein für: automatisierte Forderungsprüfung, Analyse von Anfechtungstatbeständen, Dokumentenauswertung in großen Verfahren, Prognose von Verwertungserlösen.
Online-Verwertung von Vermögenswerten
Die Verwertung von Insolvenzmassen erfolgt zunehmend online. Spezialisierte Plattformen ermöglichen: größere Bieterreichweite, transparente Preisbildung, schnellere Verwertung.
Blockchain und Smart Contracts
Noch Zukunftsmusik, aber mit Potenzial: Blockchain-basierte Gläubigerregister, automatisierte Quotenausschüttung, manipulationssichere Verfahrensdokumentation.
Fazit
Die Digitalisierung bietet erhebliche Effizienzpotenziale für das Insolvenzverfahren. Entscheidend ist, dass die Technik dem Verfahrenszweck dient und nicht zum Selbstzweck wird.
Dr. Maria Keller
Partnerin, Fachanwältin für Insolvenzrecht
Verfasst am 10. Dezember 2023